von Barbara Kenner
Wir sind daran gewöhnt, gerade beim Essen den Kick zu suchen, immer ausgefallenere Genüsse, Lebensmittel von weit her, neue Zubereitungen, .....Wer diese Dinge produziert, kümmert uns wenig. Sollte es aber, denn unsere Weltgemeinschaft kann nur funktionieren, wenn wir gemeinsam umweltverträglich und fair produzieren. Ein Beispiel, dass in letzter Zeit „hochgekocht“ ist, ist die Milch. Konzerne drücken die Preise, Bauern können ihren Lebensunterhalt nicht mehr finanzieren, aber die Kunden bekommen günstige Milch & Milchprodukte.
Wir kaufen Milch, Joghurt & Quark bei der Milchkooperative Wendland und freuen uns darüber, dass diese regional hergestellt werden. Wenn ich Milchkühe auf der Weide sehe und weiß, die gehören unseren Biobauern, sehe ich auch Tiere, die auf Robustheit gezüchtet werden, sehe ich den Erhalt unserer Kulturlandschaft und der Arbeitsplätze vor Ort. Wir zahlen gerne einen etwas höheren Preis als bei konventionellen Produkten und wir zahlen auch gerne für die Kontrolle der Erzeuger und unsere eigene.
Mir geht es so, dass ich Genuss nicht von Gewissen trennen kann, ich merke einfach, dass ich mein Essen viel mehr genieße, wenn es denn kontrolliert biologisch ist und ich weiss, dass die Bio - Bauern ihr Bestes getan haben, um ein gesundes und schmackhaftes Lebensmittel zu erzeugen und das unsere Küche ihr Bestes getan hat, um diese Lebensmittel zu leckerem Essen zu verarbeiten. Gleichzeitig tue ich etwas dafür, dass mehr CO2 im Boden gespeichert werden kann, da biologischer Anbau zu einem Aufbau der Humusschicht und damit der Speicherung von CO2 führt.
Ich bin ein Ökosaurier, komme aus den Tagen, als wir noch überlegten wie nennen wir denn das Kind. Aus den Anfangstagen des ökologischen Landbaus, als Nachhaltigkeit als Wort noch nicht einmal existierte.
Zu Anfang trafen wir uns als Austauschgruppen, begriffen biologischen Anbau als Methode und politische Ausrichtung. Kontrolle war kein Thema, wir waren ja die Guten. Dann kam schon mal der Gedanke an Kontrolle auf. Also besuchten wir uns gegenseitig auf unseren Höfen. Aber wer sagt schon gerne einem befreundeten Hof, dass dessen Vorgehensweise nicht so toll ist?
Und daraus entwickelte sich die externe Zertifizierung. In den Kinderschuhen war das wirklich nicht einfach. Wutentbrannt habe ich nach 3 Jahren mit meinem damaligen Partyservice das Handtuch geschmissen und gesagt: „Wer mich kennt, weiss, was ich tue und wofür ich stehe!“
Und seit nunmehr 10 Jahren leite ich gemeinsam mit meinem Mann ein Bio Hotel, dass mittlerweile seit 7 Jahren wieder bio - zertifizert ist.
Warum habe ich das gemacht ? Ganz einfach erstens war das Vorbedingung für einen Einstieg bei den Biohotels, und dann ?
Ich bin zwischenzeitlich zur Überzeugungstäterin geworden das heisst nicht, dass ich nicht auch mal meckere über den bürokratischen Aufwand und das kleinkarierte System. Aber ich verstehe die Zertifizierung als meinen Schutz. Denn Ende der 80er wurde der Wildwuchs in der Werbung mit dem Thema BIO offensichtlich. Bio tauchte in allen möglichen Produktnamen auf, ohne wirklich etwas zu tun zu haben mit biologischer Produktion.
Und wenn nicht wirklich geprüft wird, ob Bio drin ist, wo Bio drauf steht, machen uns Trittbrettfahrer mit einem Riesenwerbeetat kaputt. Deshalb freue ich mich mittlerweile über den Besuch meiner Kontrolleure, nutze die Möglichkeit, dort anzurufen und zu fragen, was sie von dieser Entwicklung oder jenem Hersteller halten und wie ich meine Kontrolle am besten bewerkstellige.
Unsere Gäste honorieren es auch und wissen, dass wir uns für ihre Sicherheit zertifizieren lassen. Dazu kommt wir bekommen neue Gäste, die, die mich nicht kannten bevor sie kamen und die gekommen sind, weil sie auf die Kontrollen vertrauen.
Seit 2003 gibt es ein Gesetz, das klar besagt, wer „Bio“ draufschreibt, soll auch „Bio“ drin haben, und das bedeutet der Anbieter ist kontrollpflichtig. Wer sich also nicht kontrollieren lässt, riskiert ein Bußgeldverfahren.
Als die Frage anstand, welche Richtung der Elbgenuss einschlägt und das Ziel der Nachhaltigkeit formuliert war, da wollten wir sehr gerne so viele Betriebe wie möglich hier in der Region gewinnen, die sich zertifizieren lassen. Und das gelingt uns auch ziemlich gut (siehe dazu das Bio-Symbol am Rande der Genuss-Punkt - und Gastronomie-Darstellungen). Unser Verein elbwärts e.V. unterstützt die Erstzertifizierung durch Beratung und einen Kostenzuschuss. Wir hoffen natürlich, dass wir auf die Dauer immer mehr werden.
Bisher ist die Gastronomie in Deutschland noch etwas schwach in der Zertifizierung, aber wenn immer mehr Kunden möchten, dass immer mehr Bioprodukte auf den Tischen landen, werden wir mehr. Also, fragen Sie nach und fragen Sie auch, wo die Produkte herstammen, die Sie gerade verzehren, denn „Bio“ muss mit „Regional“ eine wunderbare Gemeinschaft eingehen, um unsere Welt nachhaltig zu erhalten.
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